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(c) Lu Derfinger

Wortwitz

TRAU KEINEM ÜBER DREISSIG ANNO 2008

Übrigens, meine Damen und Herren, wie alt sind Sie eigentlich?

Zum Beispiel... der Herr dort hinten in der Mitte, ... oder die Dame hier in der 2. Reihe ? Sagen Sie nichts, denn der moderne Mensch gibt sich zur Jahrtausendwende immer jung, spontan und vor allem gut gelaunt!

Oder glauben Sie, dass ein nachdenklicher Rentner im Big-Brother-Container Erfolg hätte?

Nein, nein, auch heute gilt immer noch der traditionelle Satz: "Trau keinem über 30.“ Nur kommt er jetzt nicht mehr aus der Opposition, inzwischen ist er Regierungsprogramm.

“Trau keinem über 30” ist der soziale Leitsatz von Bundesgesundheitsministerin Schmidt!

Jeder über 30 ist verdächtig, weil er in ein Alter kommt, wo er der Gesellschaft klammheimlich zur Last fallen könnte, indem er konspirativ erkrankt.

Wer über 40 ist, wird zu einem gesundheitspolitischen Restrisiko, der latente Ernstfall auf zwei Beinen.
Wer über 50 ist, verwandelt sich in eine prophylaktische Intensivstation, eine genetisch paradoxe Zellwucherung, ein pharmazeutischer Schläfer und wer über 60 ist, meine Damen und Herren, und vorgibt noch zu leben, simuliert sowieso nur und ist ein Attentäter auf das soziale Netz, ein vaterlandsloser Geselle.

Deshalb werden solche subversiven Elemente auch in Alten und Pflegeheimen fixiert und medikamentös entschärft. Die wollen nämlich immer was... „hier piekt es, ich habe Durst, ... es tut weh, ... wann kommt Besuch?“

Reiner Terror!

Solche gemeingefährlichen Terroristen versauen einem die ganze Wirklichkeit, schon mal rein optisch gesehen.

Also schützen Sie sich! Wenn Ihnen mal so einer begegnet, gucken Sie einfach nicht hin. Das macht Sie zwar auch nicht jünger, aber solange Sie nicht in den Spiegel schauen, brauchen Sie sich darum nicht zu kümmern.

© MICHAEL Z.


HEINRICH & ANITA

Übrigens, meine Damen und Herren, ich soll Sie schön grüßen, von Heinrich und Anita. Sie kennen doch Heinrich und Anita? Genau, das netteste Pärchen in der Stadt. Die beiden wären heute auch gern gekommen, aber Sie wissen ja wie das ist, das Kind.....

 ......ach, wissen Sie nicht? Das muss ich Ihnen mal kurz erzählen:

Also, Heinrich und Anita haben sich immer schon ein Kind gewünscht und vor vier Wochen war es dann endlich soweit. Ein süßer kleiner Fratz, kleine Knubbelfinger, ein bisschen Flaum auf dem Kopf und ganz runzelig im Gesicht, so richtig schrumpelig. Deshalb haben sie es nach der Geburt auch gleich liften lassen. Ja, gutes Aussehen ist für die Karriere von entscheidender Bedeutung, sagen Heinrich und Anita, und ihr Kind soll es doch einmal besser haben als sie selbst.

Vor 14 Tagen waren sie deshalb beim besten Zahnarzt der Stadt, der hat ihrem kleinen Sonnenschein zwei nagelneue, blendend weiße Zahnreihen implantiert, jetzt kann Baby endlich richtig lachen und fröhliche Menschen haben es doch mal leichter im Leben.

Bei der Zukunft ihres Kindes wollen Heinrich und Anita nichts dem Zufall überlassen. Sowie es krabbeln kann, kommt es ins Fitness-Studio aufs Laufband, damit sich erst gar keine Fettzellen ansetzen. Diese Eislaufmütter mit den 4jährigen Ballerinen sind unverantwortlich, sagen Heinrich und Anita, wie kann man erst so spät anfangen?

Nein, nein, für die Bildung schnallt es Heinrich jetzt schon täglich 3 Stunden an den Computer, online natürlich. Telebanking, Teleshopping, Telefaxing, aber kindgerecht, also bei schönem Wetter im Stadtpark am Laptop. Vorbildlich, eine glückliche Familie. Hier Heinrich, ganz der stolze Papa, da Anita, ganz die liebende Mutter und in der Mitte Maria...  ach so, ich vergaß, sie haben das Kind Maria genannt. Sie sollten Maria mal sehen, im rosa Strampelanzug, tailliert, eine weiße Rose im neckischen Dekolleté, da spürt jeder, dass ihrer Karriere als Model, Top-Managerin oder Schönheitskönigin nichts mehr im Wege steht.

Na ja, bis mir gestern Heinrich und Anita über den Weg gelaufen sind, völlig verzweifelt und bitter enttäuscht. Sie waren mit Maria im Schönheitssalon, zum Hair-Weaving. Ihr sollten lange, blonde Haare eingeflochten werden, damit der Schmollmund besser zur Geltung kommt, und da sagt doch die Kosmetikerin, so was mache sie nicht, denn das wäre unpassend ................... für einen Jungen.

Also, das hätten sich Heinrich und Anita nicht träumen lassen, dass ihr Kind mal so undankbar ist. Da geben sie sich solche Mühe, investieren Zeit und Geld, und dann ist Maria ein Junge! Ach, was heißt, das hätten sie von Anfang an sehen können, man kann doch nicht jeder x-beliebigen Laune eines Neugeborenen nachgeben. Im Leben geht's halt nicht immer nur nach dem Lustprinzip und als Eltern haben sie die moralische Pflicht, sich zum Wohle ihres Kindes auch mal gegen seinen Willen durchzusetzen. Aus Liebe, sagen Heinrich und Anita, Erziehung tut eben manchmal auch weh, aber,

erstens................ihr Kater hat es ja auch gut überstanden

und zweitens........Maria wird ihnen später dafür einmal dankbar sein!


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